Sanierungsbericht, Sanierungskonzept, die Sanierung

Wer aus der Analyse gestärkt in Richtung Sanierung geht, sollte bevor er mit einem Sanierungsbericht, Sanierungskonzept, anfängt sich zuerst die Frage stellen, welche Sofortmaßnahmen sind geeignet schon jetzt und in der späteren Sanierung einen nicht unerheblichen Beitrag leisten zu können. Oftmals sind diese Sofortmaßnahmen unumgänglich, um die Überlebensfähigkeit der Unternehmung sicher zustellen oder das Fundament für die künftige Entwicklung, bzw. Weiterentwicklung hin zu langfristigen strategischen Maßnahmen zu legen.

Den Auslöser der Krise zu bekämpfen sollte vorrangige Priorität haben. Hier werden wir immer wieder konfrontiert mit mangelnder Liquidität, dringend erforderliche Veränderungen in der Personalstruktur, den Grundlagen der Kalkulation für den Verkaufspreis oder der Kostensituation, die es unbedingt gilt zurückzufahren. Teilweise sind die Sofortmaßnahmen einfach umzusetzen, teilweise stellen sie sich für den Betrachter in der Praxis durch einen vorhandenen Betriebsrat, zerstrittenen Gesellschaftern oder den finanzierenden Banken, als kaum umsetzbar dar. Die Produktpalette oder die Ausrichtung der Produkte, wie Kunden und Lieferanten, können ihr Übriges tun.

Sofortmaßnahmen müssen auch sofort umsetzbar sein

Diesem Leitsatz folgend, bleiben in der Regel eine Menge an Maßnahmen über, die in ein Sanierungskonzept, in den Sanierungsbericht einfließen und an die strategisch zu arbeiten bleibt. Oftmals wollen Träger einer künftigen Sanierung mit ins Boot genommen werden oder gefragt werden. Warum nicht? Wer ein Konzept erarbeiten will, sollte sich auch derer, die es mit zu tragen haben, sicher sein. Sie im frühen Stadium mit einzubinden, erspart hinterher oft den Ärger.

Wer an einer Lösung mitgearbeitet hat, kann eigentlich gar nicht mehr dagegen sein.

In sofern halten wir es für richtig, schon frühzeitig, schon vor der Ausarbeitungdes Sanierungsberichtes, Sanierungskonzeptes, mit allen notwendigen Beteiligten gesprochen zu haben und deren Ideen und Meinungen, kanalisiert auf den Sanierungserfolg, in die Leitfunktion des Sanierungskonzeptes mit aufzunehmen. Sofern erforderlich sollten sie an Passagen des Sanierungsberichtes mitarbeiten.

Der Sanierungsbericht gehört in Deutschland zu einem der umfangreichsten Werke, die man über ein Unternehmen schreiben kann. Der Inhalt richtet sich in der Regel nach den Vorgaben des IDW S6 (Institut der Wirtschaftsprüfer). Die vorgegebenen Regeln heben nicht nur auf die Prüfung der Zahlungsfähigkeit und des Finanzplanes der Unternehmung ab, sondern geben auch die Anforderungen an Sanierungskonzepte vor. Diese Art des Sanierungsberichtes wird daher oftmals von Bank- oder Gewerkschaftsvertretern, der öffentlichen Hand oder ihrer Institutionen gefordert, um wiederum in ihren Gremien auf Grund des Berichtes die Zustimmung zum Sanierungskonzept zu bekommen.

Hier gilt folgendes festzustellen:

„Sanierungsberichte, Sanierungskonzepte sollen nicht in umfassende und umfangreiche theoretische Erörterungen ausarten, die zu einer Unmenge von Papier führen, sondern sollen dem Dritten einen schnellen, präzisen Einblick in das Unternehmen gewähren und in schlüssigen Aussagen auf die Kernprobleme eingehen und deren Lösungen aufzeigen.“

Sanierungsberichte und Sanierungskonzepte benötigen Fachwissen und Zeit (mehrere Monate sollten u. U. kalkuliert werden) aber wiederum nicht soviel Zeit, wie diese das Fortbestehen der Unternehmung gefährden kann. Erfahrene Sanierer setzen daher in der Berichtsphase schon soviel wie möglich um, sofern dies Ziel führend sein kann und Dritte, die über den Sanierungsbericht zu entscheiden haben, nicht negativ beeinflusst werden.

Durch die Heterogenität der Unternehmen, ihrer Dienstleistungen oder Produkte, wird der Sanierer auf fachspezifisches Wissen, also auf andere Experten, zurückgreifen müssen. Findet er die nicht im Unternehmen, wird er diese extern suchen müssen. Eine u. U. dadurch erforderliche veränderte Personalstruktur ist frühzeitig in die Überlegungen des Sanierers mit einzubeziehen, denn nur so ist zu gewährleisten, das in den Bericht Konzepte und Lösungen einfließen, die schlüssig und realitätsgerecht den Handlungsbedarf verdeutlichen. Die besten Lösungen taugen nichts, wenn das Unternehmen und die im Unternehmen tätigen Mitarbeiter nicht in der Lage sind, sie umzusetzen.

Es ist von großem Nutzen, wenn der Verfasser eines Sanierungsberichtes sich in die Gedanken der Unternehmensgründer und die Kernkompetenz der Unternehmung hinein versetzen kann und dabei immer wieder das dem gegenwärtigen Unternehmen, dass er zu beurteilen hat, wie einen Spiegel vorhält. Häufig wird festgestellt, dass im Laufe der Jahre sich in das Unternehmen Tätigkeiten in Randbereichen eingeschlichen haben, die wenig ausgelastet sind oder die für sich betrachtet wenig zum Umsatz beisteuern aber viel zu den Kosten und verglichen mit der Gesundheit den menschlichen Körper krank machen. Alle Organe des menschlichen Körpers sind darauf ausgerichtet, ausschließlich nur für die Funktion dieses Körpers da zu sein oder wieder zurück zur betrieblichen Einheit, die Kernkompetenz sollte wieder im totalen Fokus stehen und aller beigefügter Schnickschnack bedarf des chirurgischen Eingriffs. Manche Betriebe sind durch die Vielfältigkeit ihrer Leistungsfelder stark gekennzeichnet. Erfolgreicher wären sie vielleicht aber, wenn sie Dinge die andere besser und auch preiswerter machen können ganz einfach outsourcen.

Es gehört ganz einfach Vieles in einen Sanierungsbericht, Sanierungskonzept. Im Einzelfall ist zu entscheiden was richtig, sinnvoll und Ziel führend ist. U. U. sind ganze Teile aus dem Unternehmen herauszulösen, abzuspalten oder auf eine neue Unternehmenseinheit zu übertragen. Wie auch immer, im Vordergrund steht die betriebswirtschaftliche Einheit, das Unternehmen, nicht nur das Fortbestehen um jeden Preis, sondern das Fortbestehen mit einem erfolgreichen Konzept, das die Ertragssituation als auch das Vermögen deutlich verbessern. Wenn das ein Sanierungskonzept zu leisten vermag, hat es seine Aufgabe erfüllt und steht für die Geschäftsleitung, vielleicht zusammen mit einem Sanierer (auf Zeit), als Grundlage für die Sanierungsarbeit als Leitlinie zur Verfügung, vieles sollte aber wie oben ausgeführt, bereits während der Erstellung des Sanierungsberichtes eingeleitet bzw. erfolgt sein.

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Die Sanierung in der Insolvenz